Leselernmethode H.Prem - Unterrrichtsmaterial

Hinweis: Ein Mausklick in die Fotos zeigt vergrößerte Versionen der Bilder.

Nach Hiltraud Prem ist das Lesenlernen ganz leicht, wenn das Unterrichtsmaterial auf das Notwendige begrenzt ist. Das Material der Kinder beschränkt sich auf einen Buchstabensetzkasten, 30 bis 40 Bildwortkarten, eine Erstfibel, zwei Hefte, ein 30 cm langes Lineal und Schreibutensilien.
Für die Schüler

Hiltraud Prem mit der Kasperlepuppe

Neben der großen Schultafel und Kreide besteht das Material des Lehrers lediglich aus einem großen Buchstabensetzkasten, 30 bis 40 großen Bildwortkarten und einer Kasperlepuppe. Hiltraud Prem arbeitet bei ihrer Methode prinzipiell ohne Fibel. Da die Fibel aber an den meisten Grundschulen als Arbeitsmaterial vorhanden ist, bezieht sie diese in den Unterricht mit ein. So wird die Fibel in den ersten Schulwochen nur als Bilderbuch eingesetzt und als Sprechanlass genutzt. Die Erstfibel ist also weniger Lehrbuch und Leselernbuch, sondern v.a. Erstlesebuch.
Für den
Lehrer

Für Hiltraud Prem sind die Bildwortkarten Ausgang und Mittelpunkt ihres Erstleseunterrichts. Diese setzt sie 1976 zum ersten Mal ein. Nach einer zehnjährigen Erprobungszeit erkennt Prem, dass sie eine Idealform gefunden hat, die den Kindern und dem Lehrer Erfolg bringen und Spaß machen.
Der große Vorteil der Bildwortkarten besteht darin, dass das jeweilige Wort und dessen Buchstaben durch das sich darüber befindende Bild unverwechselbar sind.
Bildwortkarten

Ein weiteres wichtiges Unterrichtsmittel der Premschen Methode ist die Arbeit mit dem Buchstabensetzkasten. Mit dem Setzkasten kann der Schulanfänger selbstständig Buchstaben zu Wörtern zusammensetzen und damit das Auf- und Abbauen von Wörtern und Wortumwandlungen intensiv üben. Hiltraud Prem erklärt, warum diese Teilarbeit im Leselernprozess so wichtig ist:
„Weil sie den Schulanfänger begeistert, zu raschen Leseerfolgen führt, bei der Arbeit mit oder ohne Fibel einsetzbar ist, im Frontalunterricht oder bei der Freiarbeit wesentliche Hilfe leistet, das Rechtschreiben solide unterstützt, den Übergang von der Druckschrift zur Schreibschrift auflockert und dem Lehrer die Arbeit erleichtert."
Prem ist der Meinung, dass der richtige Einsatz des Buchstabensetzkastens und die volle Ausschöpfung seiner wertvollen Arbeitsmöglichkeiten allen Kindern ein erfolgreiches und normales Lesen- und Schreibenlernen ermöglicht.
Die Bedeutung des Setzkastens erkennt man daran, dass er bereits seit über 70 Jahren ein wichtiges Arbeitsmittel ist und sich trotz der Kurzlebigkeit vieler Materialien in der Schule halten kann. 1925 entwickelt Hans Brückl, der Begründer der Ganzwortmethode, den Lesekasten90, der im Laufe der Zeit weiterverbessert wird.
Hans Brückl hebt den Setzkasten als ein Unterrichtsmittel hervor, an dem sich ein großer Teil des Leselernprozesses von selbst vollzieht. Er weist auf weitere Vorteile der Schülerlesekastenarbeit hin:
„Der Lesekasten hat Vorzüge, die dem Ablauf des Leselernprozesses und der Lernfreude des Kindes in gleicher Weise dienen. Er kommt vor allem dem Tätigkeitstrieb des Kindes in weitgehendem Maße entgegen. Das Kind darf sich mit dem Lesekasten in ähnlicher Weise - selbständig und lustbetont - beschäftigen wie in der Vorschulzeit mit seinem Baukasten. ...
Die Buchstaben des Lesekastens sind für das Kind nicht bloße Zeichen, die man - wie im Buch - nur anschauen, erkennen und aussprechen kann, sondern wirkliche Dinge, die man in die Hand nehmen, verschieden anordnen und zu beliebigen Inhalten und Überraschungen verwenden kann. Wie im Spiel vollzieht sich die Analyse und Synthese, das Ab- und Aufbauen der Wörter, das Verwandeln einiger Wörter in ähnliche, die Zusammenstellung von Wörtern mit gleichem Aus- und Anlaut .... In voller Aufmerksamkeit und mit beiden Händen arbeitend, obliegen die Kinder der abwechslungsreichen Setzarbeit und erleben nachhaltig die Symbolisierung der Laute durch ihre Zeichen. Das Ergreifen der Buchstaben führt zum Begreifen, das Aneinanderreihen zum Aneinanderlesen und damit zur sinnfälligen Erledigung des Leselernprozesses."

Für dieses Minimum an Material bei der Prem-Methode gibt es v.a. zwei Gründe. Zum einen beginnt Hiltraud Prem in der Nachkriegszeit zu unterrichten. Da zu dieser Zeit die Klassenzimmer mit Kindern überfüllt und die Arbeitsmittel knapp sind, muss sie zwangsläufig beim Unterrichten ohne großen materiellen Aufwand auskommen. Zum anderen aber schreckt Prem nach ihrer Rückkehr in die Schule 1972 die große Menge an Lehrmitteln ab. Man versucht fehlende Qualität mit Quantität auszugleichen. Prem erkennt, dass zu viele und unangemessene Materialien auf den Leselernprozess häufig blockierend wirken, weswegen sie den Aufwand an Unterrichtsmitteln so gering wie möglich halten will.

Dies stimmt mit einer Aussage von Erwin Schwartz überein dass „nicht immer der große Aufwand das Zeichen für eine gute Methode ist."


Lesekasten

Text B.Regler
K.Seefeld

Gestaltung

K.Seefeld