Leselernmethode H.Prem - Psyche des Schulanfängers

 

H.Prem mit Kasperlepuppe

Hiltraud Prem beachtet bei der Entwicklung ihrer Methode auch die Psyche des Schulanfängers. Um Kinder vom psychischen Druck zu entlasten, hat Prem in ihre Leselernmethode die Handpuppe Kasperle integriert. Dieser übernimmt in der Klasse verschiedene Aufgaben und ist für die Kinder sehr wichtig. Nachdem ihn die Lehrerin ins Leben gerufen hat, „inspiriert fortan die Kasperle-Puppe als kleinster »Schüler« den Unterricht. Der Kasperle ist schüchtern und ungeschickt und macht an der großen Tafel vieles falsch. So wird er nicht nur zum magischen Erlebnismittelpunkt in der Klasse, sondern er dient den Kindern auch zur psychischen Entlastung. Auf ihn können sie ihre Unsicherheiten und Unterlegenheitsgefühle übertragen. Hier ist einer, dem sie überlegen sind, dem sie helfen können, und so wird der Kasperle sofort zum geliebten Partner beim Lesen."

Erfolgserlebnisse

 

angemessene Forderung und Förderung

 

Sensibilität im Umgang

Weiter weist sie darauf hin, dass das Kind beim Lesenlernen rasche Erfolgserlebnisse braucht. Sofern das Lesenlernen zu lange dauert, verliert das Kind die Motivation und sein Selbstvertrauen sinkt.
Schließlich achtet Prem beim Unterrichten darauf, dass der Schulanfänger altersgemäß gefordert und gefördert werden möchte. Erfolgserlebnisse, ermöglicht durch den richtigen Grad an Forderung, motivieren die Schüler und stärken das Selbstbewusstsein. Im Gegensatz dazu brütet die Schulreform von 1968 kinderfremde, verwissenschaftlichte Unterrichtsformen aus, die das Kind über- oder unterfordern, statt es angemessen zu fordern und damit zu fördern.
Ferner muss man beachten, dass die Reife der Kinder, ihre Interessen und das Tempo der Auffassung verschieden sind. Ein Kind erfasst und merkt sich die Buchstaben schnell und kann schon nach wenigen Wochen diese zu neuen Wörtern zusammenziehen. Es hat die Synthese vollzogen, d.h. es kann lesen. Andere Kinder brauchen länger. Weil man nicht von allen Kindern zur gleichen Zeit alles erwarten kann, sollte der Unterricht nur anbieten. Anhand der Bildwortkarten, die das ganze Schuljahr sichtbar im Klassenzimmer bleiben, ist jedem Kind individuelles Lernen möglich. Lernzielkontrollen werden überflüssig und Massenübungen auf den Lesearbeitsblättern erweisen sich als vergebliche Mühe.
Prem gibt einen weiteren wichtigen Hinweis, der jedoch nicht für den Schriftspracherwerb alleine gilt. Sie rät, im Verhalten den Schülern gegenüber vorsichtig und sensibel zu sein, da man nicht weiß, was ein Kind gerade zu Hause erlebt oder erleidet oder was sein Lernen blockieren könnte.
Prem achtet darauf die Kinder nicht mit einer komplizierten Leselernmethode zu überfordern, da sich der Lernerfolg verzögert, wenn das Einfache unnötig kompliziert wird. Weiter sei darauf hingewiesen, dass auch die geistige Überernährung ebenso wie die körperliche Überernährung zu Schäden führt. „Nur die robusten Kinder vertragen das Zuviel und Zuvielerei im Erstunterricht. Die Zarteren werden verwirrt, nervös, lustlos, aggressiv oder sie erkranken körperlich."

Bedürfnis nach Wiederholung Beim Lesenlernen muss man auch berücksichtigen, dass ein sechs- oder siebenjähriger Schüler ein Bedürfnis nach Wiederholung hat. Dies kann man daran erkennen, dass Kinder immer wieder das gleiche Märchen hören oder dasselbe Spiel spielen wollen. Deshalb soll der Unterricht diese Alterseigenart, das Verweilen im gleichen Gedankenkreis und das Bedürfnis nach Wiederholung, als Antrieb nutzen. Leider ist dies in der Schule häufig nicht der Fall. Ein ständiger Wechsel der Arbeitstechniken und ein Zuviel an Materialien hemmen den Fortschritt. Hiltraud Prem berücksichtigt dieses Bedürfnis nach Wiederholung bei ihrer Methode: die Arbeit mit dem jeweiligen Lesewort läuft immer in den gleichen 14 Arbeitsschritten ab.

Text B.Regler
K.Seefeld

Gestaltung

K.Seefeld