Leselernmethode H.Prem - Prinzip - Arbeitsschritte

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Geradlinigkeit Das Besondere an Prems Methode ist die geradlinige Direktheit. Der Verlauf des Leselernprozesses ist rhythmisiert durch die kontinuierliche und sich ständig wiederholende Erarbeitung von Lesewörtern. Diese Lesewörter sind alles Substantive und werden als Ganzwörter eingeführt. Am Anfang arbeitet Hiltraud Prem nur mit Hauptwörtern, weil das Kind mit Hilfe des Bildes das Wort auf der Bildwortkarte erkennen und lesen kann. Sobald das Kind den Vorgang der Synthese, das Zusammenziehen der Laute zum Wort, verstanden hat, ist auch das Lesen von Verben und Adjektiven kein Problem. Die Erarbeitung des Lesewortes geschieht anhand von stets gleichen Arbeitstechniken.
Leseschritte Die Methode Hiltraud Prems besteht aus 14 Leseschritten. Diese werden im Folgenden dargestellt:  
1. Der Lehrer zeigt die große Bildwortkarte, die Schüler lesen (im Chor) das Wort. Die Bildwortkarte wird für alle Schüler gut sichtbar aufgehängt und bleibt dort das ganze Jahr über.

2. Jeder Schüler klebt die kleine Bildwortkarte in sein Heft (bzw. malt selbst ein Bild).

 

3. Der Lehrer schreibt das neue Wort riesengroß an die Schultafel. Die Kinder lesen das Wort einzeln und im Chor.
Lernwort Mond
4. Die Kinder »schreiben« das Wort riesengroß in die Luft.
Lernwort Mama
5. Mehrere Kinder probieren das Wort mit Kreide an der großen Schultafe!. Lernwort Geld
6. Die anderen Kinder erhalten vom Lehrer ein Stückchen bunte Schulkreide und schreiben das Wort damit auf ein großes Blatt. Lernwort Geld
7. Der Lehrer setzt das Wort nun vor den Augen der Kinder in den großen Lehrersetzkasten.

 

8. Die Kinder setzen das Wort in den Schülersetzkasten.
Lernwort Mama
9. Der Lehrer schreibt das Wort in Druckschrift an die Tafel in große Zeilen.
10. Die Schüler ziehen mit dem Lineal drei breite Zeilen ins Heft und schreiben das Wort zunächst mit Bleistift und ziehen es dann farbig nach.
Lernwort Quark
  11. Nun erfolgt das Absetzen der Buchstaben durch Lehrer und Schüler zugleich. (Großer und kleiner Setzkasten).
 
12. Das Spiel »Abbauen - Aufbauen« ... folgt zunächst als stumme Arbeit, später mit Benennung der Buchstaben.  
  13. Kasperl (als Handpuppe) an der Hand des Lehrers setzt das Wort ein bisschen verdreht. (Ab und zu aber auch mal richtig)  
14. Das Schreiben des neuen Wortes und dessen Buchstaben wird in Druckschrift geübt."


 

Orientierungsrahmen Der Erfolg der Leselernmethode liegt in der Einhaltung der beschriebenen 14 Leseschritte. Diese Tätigkeiten verteilen sich anfangs auf drei Schultage und nach etwa drei bis vier Wochen auf zwei Schultage. An einem Schultag wird jeweils etwa 45 Minuten im Leselehrgang gearbeitet. Ebenso wie die Reihenfolge der Bildwortkarten austauschbar ist, sind auch die Wörter durch andere ersetzbar. Es ist für das Lesenlernen keine zwingende Voraussetzung, dass von jedem Buchstaben eine Bildwortkarte vorhanden ist, da manche Kinder schon nach wenigen Wochen, noch bevor alle Buchstaben eingeführt sind, lesen können. Obwohl noch nicht alle Buchstaben eingeführt sind, können manche Kinder bereits lesen. Kinder können also das Aufbau- und Funktionsprinzip von Sprache erfassen, ohne alle Buchstaben zu kennen. Wenn sie beim Lesen auf unbekannte Zeichen stoßen, fragen sie beim Lehrer oder einer anderen kompetenten Person nach. Dies ändert nichts an der Lesefähigkeit des Kindes.
Die Kinder sind mit dem sich wiederholenden Umgang mit einem Lesewort schnell vertraut. Dadurch haben sie einen festen Orientierungsrahmen, in dem sie sich geistig geborgen fühlen und befreit lernen können. Die Kinder werden durch die ständige Wiederholung der Schritte immer sicherer und arbeiten dadurch rascher.
Abbauen Bei der Prem-Methode sind keine Syntheseübungen notwendig, da jedes Kind durch das Abbauen und Wortrestelesen die Synthese individuell vollzieht. Die Pädagogin Prem betont, dass eine
„Übung genügt, um jedes Kind sicher zum Ziel zu führen: Das Absetzen der Buchstaben von rückwärts und das Lesen der Wortreste durchgeführt mit dem Lesekasten oder mit Bildworfkarten."
Bei diesem Schritt setzt ein Vorgang bei den Kindern ein, den man denkpsychologisch als Aha-Erlebnis bezeichnet. Bereits der Pädagoge Brückl erkannte dies:
„Ein ausgezeichnefes Mittel, das Lautbewußtsein der Kinder zu fördern, ist das … Abbauen von Wörtern, wobei von dem betreffenden Worte jeweils der letzte Bestandteil deutlich gesprochen und dann weggenommen wird … Diese Übungen ergeben sich als natürliche Aufgabe beim Einreihen der Buchstaben in den Lesekasten und erscheinen dem Kinde keineswegs als mechanische Tätigkeit.
Es ist ohne weiteres klar, dass das Abbauen von Wörtern eine leichtere Aufgabe ist als ihr synthetischer Aufbau, der erst dann einzusetzen hat, wenn das Kind die Buchstaben beherrscht."

 
Rücksicht auf die affektive Bezogenheit der Kinder Die intuitive Humanität der Methode zeigt sich daran, dass Prem bei der Auswahl der verwendeten Begriffe zum Lesenlernen auf die affektiven Bezogenheiten der Kinder Rücksicht nimmt. Sie verwendet nur Wörter, die für das Leben der Schulkinder eine Bedeutung haben. Ein Beispiel dafür ist das erste Lesewort Tüte. Dieses Lesewort, eine Verkürzung der Schultüte, ist für die Kinder am Schulbeginn von besonderer Bedeutung. Deshalb bietet es sich an, mit diesem Wort den Leselernprozess zu beginnen.
Den Kindern wird das Vorgehen nach der Leselernmethode nicht langweilig, weil Querverbindungen mit anderen Fächern für einen abwechslungsreichen Unterricht sorgen. Die Bildwortkarten lassen sich in zehn verschiedene Themengebiete einteilen.
Mit Nachdruck sei betont, dass die Auswahl der Bildwortkarten und die Einordnung in die verschiedenen Kategorien nur ein Vorschlag von Prem und keine Verpflichtung sind. Jeder Lehrer hat die Möglichkeit die Auswahl der Wörter sowie die Fächerverbindungen individuell zu gestalten.

 

Hefte Der Einsatz der Hefte ist ebenfalls übersichtlich. Am Anfang haben die Schüler für den Schriftspracherwerb ein Heft - das Wörterheft. In dieses Heft werden alle kleinen Bildwortkarten geklebt und darunter das Wort geschrieben. Aus Gründen der Klarheit, der Übersichtlichkeit und der Ästhetik soll das Wort auf diese Seite nur einmal geschrieben werden.
Ferner wird das Schreiben der Druckschrift in ein Heft oder in Bildrahmen geübt. Ein solcher Bildrahmen besteht aus dem Umriss des jeweiligen Lesewortes und ist bei Kindern beliebt. Der Lehrer schreibt das Wort und die einzelnen Buchstaben vor, welche die Kinder in der restlichen Zeile üben.

Geschichtenheft Das Geschichtenheft, das zweite Heft, beginnt die Klasse ca. acht Wochen nach Schulanfang. In diesem Heft, in das kurze Texte, Verse und Lieder aufgeschrieben werden, treten nun auch kleingeschriebene Wörter auf. Am Anfang gibt der Lehrer den Text für dieses Geschichtenheft vor. Er schreibt ihn an die Tafel, dann wird er lesend eingeübt und anschließend Zeile für Zeile von den Schülern ins Heft übertragen. Dabei soll man auf die Rechtschreibung achten, um diese durch richtiges Schreiben von Anfang an zu üben.
„Niemals darf ein Fehler stehen bleiben! Deshalb schreiben die Schüler zunächst mit Bleistift. Wenn die Seite fertig ist, schaue ich sie durch. Jetzt kann man ja noch radieren. Danach malen die Kinder die Schrift mit Bunt- oder mit Filzstiften nach und schmücken die Seite mit Randmustem oder Illustrationen.... Ganz wichtig ist der Rechtschreiberfolg durch das Abschreiben!“
 

Text B.Regler
K.Seefeld

Gestaltung

K.Seefeld