Schnupperlehre 8.Klasse

Als Lehrer geht man das "zweiwöchige Betriebspraktikum", besser bekannt als "Schnupperlehre", mit gemischten Gefühlen an. Zwei Wochen, in denen Stunden und Unterricht ausfallen, zwei Wochen, in denen man keine Arbeiten schreiben kann, zwei Wochen, die so ganz anders sind als die Vormittage im Klassenzimmer. Schon die Vorbereitungen nehmen viel Zeit in Anspruch: Merkzettel austeilen, Anmeldeformulare aushändigen, Geld für Unfallversicherung einsammeln, Listen kontrollieren, nachfragen. Hinweise geben, .... Bis zu den Osterferien war es dann so weit, jeder Schüler hatte für zwei Wochen "seine" Ausbildungsstellen gefunden.

Montag, 8. Mai: Endlich geht es los. Bis Nürnberg, Langlau am Brombachsee und Manching ist die Klasse verstreut, in der zweiten Woche soll man einen Schüler in Laffenau besuchen und erfährt, dass er im tiefsten Niederbayern eine "solar-betriebene Schwimmbadheizung" einweihen darf. Manch einen, der sich bei Thalmässinger Betrieben angemeldet hat, trifft man plötzlich auf einer Baustelle in Oberasbach oder Cadolzburg an. Ein anderer Schüler ist so in den Betriebs-ablauf eingespannt, dass er überhaupt nicht oder nur nach langem Suchen zu finden ist, wie ein "Speditionskaufmann" bei der Firma Danzas in Nürnberg.

Interessant sind auch die Berufe, die sich alle Schüler selbst aussuchen konnten. Bei den Mädchen überwiegen die sogenannten "typischen" Mädchenberufe wie Büro-, Bank-, oder Einzelhandelskauffrou, Zahn- bzw. Tierarzthelferin, Friseurin, Floristin u.a. Lediglich Jasmin fällt mit ihrem Schnupperberuf "Schornsteinfeger" etwas aus dem Rahmen. Die Jungen halten sich vor allem an die Handwerksberufe, Matthias und Thomas versuchen sich als "Einzelhandelskaufleute". Man lernt auch die Schüler von der anderen Seite kennen, man erlebt, wie sonst ruhige Schüler beim Verkauf plötzlich eifrig sprechen (Keller-Markt) und Schüler, denen die kleinste Hausaufgabe fast zu viel wird, einen ganzen Tag in glühender Sonne auf dem Bau arbeiten oder Türen in den vierten Stock tragen können.

Montag, 22. Mai: Man trifft sich im Klassenzimmer wieder.
Hat das Praktikum etwas gebracht? In mancher Hinsicht schon, stolz berichten einige, dass sie für ihre Arbeit "bezahlt" wurden.
Ich finde, es hat sich in jeder Hinsicht gelohnt und zwar für alle Beteiligten.

Zunächst einmal für die Firmen und sonstigen "Arbeitgeber", die "Schnupperlehrlinge" aufnehmen - manche sogar mehrere Schüler und zwei Wochen hintereinander - und die sich teilweise richtige Ausbildungspläne zurechtlegten. Dafür kann sich die Schule nur bedanken. Daneben haben die Firmenchefs und sonstige Ausbilder aber auch die Möglichkeit, eine Woche lang Schüler zu beobachten, die sich vielleicht Ende des nächsten Schuljahres bei ihnen bewerben möchten. Eine Woche Mitarbeit in einem Betrieb sagt oft mehr über Eignung , Arbeitseinsatz und Leistungswillen aus als alle Noten und Bemerkungen im Zeugnis (darf so etwas ein Lehrer schreiben?).
Richtig etwas "gebracht" hat die Schnupperlehre für die Schülerinnen und Schüler. Zwei Ausbildungswochen mal 29 Schüler gibt 58 Ausbildungsplätze. Die Frage, ob sie sich vorstellen können, diesen Beruf zu erlernen, beantworteten die 8.Klassier zu 77 %, also in 40 von 58 Fällen, mit ja. Für diejenigen, die es nicht so toll fanden, hat die "Schnupperlehre" ebenfalls eine Menge "gebracht". Für sie ist es allemal besser, eine kurze Woche lang einen "ungeliebten" Beruf auszuüben als später eine Ausbildung zu beginnen, in der sie dann widerwillig und mit Bauchschmerzen 3 Jahre ihres Lebens vergeuden, "ßebracht" hat es aber vor allem etwas für die Schüler, denen es gefallen hat, die jetzt wissen, dass der Praktikumsberuf "ihr Beruf" ist.
Hinterher, in der Schule, kommt der unvermeidliche "Praktikumsbericht", in dem die Schüler auch ihre Praktikumserfahrungen bewerten sollen. Wenn in diesem Bericht nun eine Schülerin schreibt, die zwei Wochen waren die "spannendsten Wochen meiner Schulzeit", dann hat sich der Aufwand gelohnt. Und wenn obendrein ein Handwerksmeister dem Lehrer ungefragt mitteilt, dass er den "Schnupperlehrling" nach der Schulzeit ausbildet und dies dem Schüler an Ort und Stelle verspricht, dann hat das Praktikum wirklich eine Menge "gebracht".

Text :Erich Pfefferle
Gestaltung : K.Seefeld